Für 90 Prozent der deutschen Bevölkerung gehört Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung. Wer also Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten möchte, muss dies in der ganzen Breite der Grundnahrungsmittel machen. Eine generelle Mehrwertsteuersenkung bei Lebensmitteln ist ein gutes Instrument, um die Kosten des täglichen Einkaufs nicht weiter explodieren zu lassen. Wenn es darum geht, dass sich Menschen mit geringem Einkommen Grundnahrungsmittel weiterhin leisten können, müssen diese steuerlich auch weiterhin gleichbehandelt werden. Denn eine Mehrwertsteuersenkung nur für Obst und Gemüse fördert einseitig die Produktion im Ausland, bei der wir keinen Einfluss auf die Produktionsbedingungen haben. Wer nur für Obst und Gemüse steuerliche Vorteile vorsieht, erreicht nur wenig für einkommensschwache Haushalte und fördert stattdessen vor allem die Produktion und Hersteller im Ausland.

Grund dafür: Deutschland ist bei Obst und Gemüse in hohem Maße von Importen abhängig. So beträgt der Selbstversorgungsgrad nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung bei Obst nur etwa 20 Prozent und 36 Prozent bei Gemüse. Bei Tomaten sind es sogar nur 10 Prozent. Alleine hier wurden 2021 mehr als 730.000 Tonnen importiert, um den heimischen Bedarf zu decken. Eine abwechslungsreiche vegetarische/vegane Ernährung widerspricht dem Wunsch nach Regionalität und setzt darauf, dass ganzjährig in anderen Weltregionen für unsere Verbraucher Lebensmittel produziert werden.

Selbstversorgungsgrad in Deutschland 2020

Auch gesundheitliche Aspekte sind nur ein vorgeschobenes Argument. Der Fleischkonsum ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig ist jedoch z.B. der Anteil übergewichtiger Menschen weiter gestiegen. Gesundheit ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren. Dazu gehören Vorsorge, medizinische Versorgung, Bewegung und natürlich auch eine ausgewogene Ernährung.

Zu der Diskussion um die Mehrwertsteuer gehört es aber auch die bestehende Blockade bei der Finanzierung des Umbaus der Tierhaltung endlich zu lösen. Hier muss dringend im Sinne des Tierwohls eine tragfähige Lösung gefunden werden. Die Vorschläge dazu liegen auf dem Tisch und die bisher von der Bundesregierung veranschlagten 1 Mrd. Euro können nicht mehr als eine Anschubfinanzierung sein.