Die Unternehmen der Fleischwirtschaft streben zudem an, auf Werkverträge in der Schlachtung, Zerlegung und Verpackung zu verzichten und die Arbeitgeberverantwortung für ihre Beschäftigten voll und ganz zu übernehmen – auch unabhängig von den gesetzlichen Regelungen. Auch Arbeitsschutzmaßnahmen und Wohnstandards sollen für Mitarbeiter, die nicht in Deutschland ihren ständigen Wohnsitz haben, bundeseinheitlich und verbindlich für alle Unternehmen der Branche geregelt werden. Wirksame Kontrollen zu ihrer Einhaltung durch neutrale Stellen sollen zudem vereinbart werden.


Konkreter Aktionsplan

Der Fleischwirtschaft ist dieses Anliegen sehr ernst. Deswegen hat sie sich auf folgende Punkte verständigt:

  • Wir beenden den Einsatz von Werkverträgen in der Schlachtung, Zerlegung und Verpackung von Fleisch. Alle Beschäftigten werden in Zukunft direkt bei den Betrieben angestellt.

  • Wir setzten uns für den Erhalt von Zeitarbeit in der Fleischwirtschaft ein

  • Wir gewährleisten die Bereitstellung von ausreichend und angemessenem Wohnraum für die Beschäftigten, die nicht in Deutschland ihren ständigen Wohnsitz haben.

  • Wir fordern, dass Kontrollen zur Einhaltung dieser Wohnstandards gesetzlich ermöglicht und klar geregelt werden.  

  • Wir führen die digitale Zeiterfassung in allen Betrieben der Branche ein und sorgen damit für eine ausnahmslose Entlohnung geleisteter Überstunden.

  • Wir arbeiten weiterhin intensiv an der kontinuierlichen Verbesserung, Schulung und Kontrolle von Sicherheits- und Hygienekonzepten.  

  • Wir wenden uns gegen das im Gesetzentwurf vorgesehene Kooperationsverbot

Hürden hinsichtlich der Umsetzbarkeit

Diese Veränderungen gehen jedoch mit einigen Herausforderungen einher. So sind Werkverträge in der Fleischbranche, wie auch in vielen anderen Branchen, seit Jahren ein normaler Bestandteil der Personalorganisation. Dementsprechend müssen die Unternehmen der Fleischwirtschaft ihre Organisation nun tiefgreifend umstellen. Auf eine befristete Überbrückung von Arbeitsspitzen durch Arbeitnehmerüberlassung, wie beispielsweise in der Grillsaison, können sie jedoch nicht vollständig verzichten. Daher benötigt die Branche klare gesetzliche Regelungen, die Planungssicherheit schaffen.

Hinzukommt die Gefahr, dass die Subunternehmer den Fleischwerken ihre Mitarbeiter nicht zum 01. Januar 2021 „überlassen” werden, sondern sie alternativ in anderen Branchen einsetzen. Um dieser Problematik vorzubeugen, benötigen die Unternehmen der Fleischwirtschaft die Unterstützung der Politik und ausreichend Zeit. Nur so kann der Prozess erfolgreich umgesteuert werden, ohne Produktionskapazitäten zu verlieren. Anderenfalls könnte die Versorgung der Bundesrepublik mit Fleischwaren möglicherweise nicht gewährleistet sein.

Aufgrund des mangelnden Arbeitskräfteangebots im Land werden es mittlere und kleinere Unternehmen besonders schwer haben, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Ausland anzuwerben, da ihnen hierzu die notwendigen Strukturen fehlen.

Der vorliegende Gesetzentwurf zum Arbeitsschutz geht weit über konkrete Regelungen zum Arbeitsschutz und das Werkvertragsverbot hinaus. Es sieht auch ein Kooperationsverbot zwischen Unternehmen der Fleischwirtschaft vor, das jegliches arbeitsteiliges Wirtschaften zwischen Unternehmen unterbindet. Eine solche Vorgabe hat mit Arbeits- und Infektionsschutz absolut nichts zu tun und würde auf eine Zerschlagung der kleinen und mittelständischen Strukturen der Fleischwirtschaft hinauslaufen.

Es geht nur gemeinsam

Um diese Hürden zu meistern, strebt die Fleischwirtschaft an, gemeinsam mit der Politik partnerschaftliche Lösungen und die notwendigen Regelungen schnell und zielführend zu erarbeiten.



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