„Eiweiß aus Schweinefleisch kann nach einem intensiven Training deutlich besser als pflanzliche Eiweißquellen zur Erholung der Muskeln beitragen“, zu diesem Schluss kam eine Studie [1] der A&M Universität in Texas. „Angesichts der beobachteten Ergebnisse ist es wahrscheinlich, dass eine langfristige Einhaltung einer pflanzlichen Proteindiät zu einer erheblichen Verringerung der Leistungsfähigkeit, zu Müdigkeit und/oder zu einem höheren Zeitbedarf für die Erholung nach intensiven Einsätzen führen kann“, so das Fazit der Forscher.
Die Probanden verspürten weniger Muskelkater, und hatten einen erholsameren Schlaf nach extremer körperlicher Anstrengung, wenn sie Schweinefleisch gegessen haben. Diese subjektive Wahrnehmung wurde auch durch Resultate von umfangreichen Blut- und Urintests bestätigt bzw. erklärt. So zeigten die Proben reduzierte Marker für den Proteinabbau, weniger Entzündungs- und Stressmarker und einen günstigeren anabolen Status (d. h. das Verhältnis zwischen den Hormonen Cortisol und Testosteron war besser).
Eine Studie nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin
Für diese Studie wurden zwei Feldrationen entwickelt, bei denen der Kalorien- und Makronährstoffgehalt möglichst ähnlich waren. Der einzige Unterschied: Eine Ration enthielt Eiweiß aus Schweinefleisch und die andere war auf Basis der pflanzlichen Proteine zusammengestellt.
23 Kadetten nahmen an der Studie als Freiwillige teil. Sie aßen ein Standardfrühstück vor dem Training, absolvierten den körperlich anstrengenden standardisierten „Army Combat Fitness Test“ (ACFT) und aßen dann drei Tage lang jeweils drei fertige Feldrationen (MREs - Meals Ready-to-Eat) mit einem Proteinanteil aus Schweinefleisch von 45 Gramm pro Tag. Am dritten Tag der Erholungsphase wiederholten sie den standardisierten ACFT-Fitnesstest. Nach einer bestimmten Zeit wechselten die Teilnehmer zur Feldration auf Pflanzenbasis und wiederholten den Ablauf erneut. Die Forscher überwachten während der gesamten Erholungsphase Biomarker im Blut und Urin, die Intensität des Muskelkaters und die kognitive Leistungsfähigkeit der Kadetten. Wichtig: Die Kadetten wussten nicht, wann sie welche Ration – ob fleischhaltig oder pflanzenbasiert – gegessen haben.
Es zeigte sich, dass Kadetten bei der Einnahme von Schweineprotein weniger Muskelkater hatten, eine geringere Stickstoffausscheidung (ein Marker für den Muskelabbau) aufwiesen und ein niedrigeres Entzündungsniveau hatten.
Warum sorgte Eiweiß aus Schweinfleisch für bessere Resultate?
Obwohl die Rationen der Probanden standardisiert waren und jeweils 45 g Protein enthielten waren die Resultate sehr deutlich zugunsten von Schweinefleisch ausgefallen. Die Erklärung dafür: Pflanzliche Proteine haben etwa 30 bis 40 % weniger von essenziellen Aminosäuren als tierisches Protein und enthalten lediglich Spuren von Kreatin. Schweinefleisch dagegen enthält wichtige Aminosäuren und Kreatin, die auch für die Muskelregeneration von Bedeutung sind.
Damit zeigte die Studie, dass nicht nur die Eiweißmenge, sondern auch die Qualität der Proteinquelle berücksichtigt werden muss: Das Militär sollte „erwägen, tierisches Protein für MRE-Feldrationen zu verwenden oder pflanzliche MRE-Feldrationen mit essentiellen Aminosäuren (6–10 g/Tag) und Kreatin (2–3 g/Tag) anzureichern“, heißt es in den Schlussfolgerungen der Forscher.
Allerdings sind die Erkenntnisse der Studie nicht nur für den Militärbereich wichtig, sondern sollten bei der Ernährungsberatung von Sportler, Fitnessbegeisterten und Menschen, die körperliche Arbeit leisten, berücksichtigt werden.
Studiendesign trägt zur Glaubwürdigkeit bei
Eine besondere Bedeutung hat hierbei auch das Studiendesign. Es handelt sich um eine randomisierte, placebokontrollierte Doppelblind-Crossover-Studie. Mit einfachen Worten heißt es, dass bei diesem wissenschaftlichen Experiment die Probanden nicht gewusst haben, welcher Testgruppe sie angehören, bzw. in diesem Fall, wann und was sie gegessen haben. Des weiteren sah das spezielle Forschungsdesign einen Versuchsplan vor, bei dem die gleichen Personen verschiedene Diäten getestet haben. Auch die Resultate der Blut- und Urinproben bilden einen wichtigen und klaren Beleg für die Unterschiede, die verschieden aufgestellten Essrationen in den Körpern bewirkt haben.
Damit entspricht dieses Experiment – auch trotz kleiner Teilnehmerzahl – den wichtigen Kriterien der evidenzbasierten Medizin. Das unterscheidet diese US-Studie von den üblichen Beobachtungsstudien, die gerade im Bereich der Ernährung für viel Verwirrung sorgen, da diese auf Befragungen basieren und nur statistische Zusammenhänge zwischen Aussagen der Befragten und eventuell bestehenden Diagnosen feststellen können, aber immer noch viel zu oft falsch interpretiert werden [2].
Angesichts der beobachteten Ergebnisse ist es wahrscheinlich, dass eine langfristige Einhaltung einer pflanzlichen Proteindiät zu einer erheblichen Verringerung der Leistungsfähigkeit, zu Müdigkeit und/oder zu einem höheren Zeitbedarf für die Erholung nach intensiven Einsätzen führen kann. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um zu beurteilen, wie sich unterschiedliche Mengen und Arten von Proteinen in MREs auf die Leistungsfähigkeit und Erholung von weiblichen und männlichen Militärangehörigen im Laufe der Zeit auswirken.
[1] Effects of Pork Protein Ingestion Prior to and Following Performing the Army Combat Fitness Test on Markers of Catabolism, Inflammation, and Recovery: www.mdpi.com/2072-6643/17/12/1995
[2] Hier finden Sie eine einfache Erklärung, wie es früher zur Falschinterpretationen von Beobachtungsstudien bzw. der Risikobewertung gekommen ist. "Wurst verursacht Krebs": Faktencheck der WHO Studie: https://www.youtube.com/watch?...