Für über 90 Prozent der deutschen Bevölkerung gehört Fleisch zu einer ausgewogenen Ernährung. Eine Steuererhöhung auf tierische Produkte würde die Haushalte sofort belasten – vor allem die einkommensschwachen, die ohnehin am stärksten unter den steigenden Lebenshaltungskosten leiden.
Fleisch ist kein Luxusprodukt und darf auch keins werden – es ist ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Die meisten essenziellen Nährstoffe kann der Körper nicht selbst synthetisieren und muss sie daher über die Nahrung aufnehmen. Dazu gehören essenzielle Aminosäuren, essenzielle Fettsäuren und die meisten Vitamine und Mineralstoffe. Wer Ernährungspolitik sozial denkt, darf essenzielle Lebensmittel nicht künstlich verteuern.
Deutschland produziert Fleisch in hoher Qualität, nach hohen Standards und mit strengen Regeln entlang der gesamten Kette. Wenn Fleisch künstlich verteuert wird, gefährdet das die wirtschaftliche Zukunft zahlreicher landwirtschaftlicher Familienbetriebe, die Wettbewerbsfähigkeit der Branche sowie unsere Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln.
Die Leopoldina setzt bei ihrer Forderung voraus, dass eine Ernährungswende vor allem durch günstigere pflanzliche Produkte gelingt. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: So beträgt der Selbstversorgungsgrad bei Obst: ca. 20 %, bei Gemüse: ca. 36 % und bei Tomaten: nur rund 10 %. Das bedeutet: Eine einseitige steuerliche Bevorteilung von Obst und Gemüse würde vor allem ausländische Produzenten stärken, nicht die heimische Landwirtschaft. Eine vegetarische oder vegane Ernährung setzt aufgrund der fehlenden heimischen Produktion unweigerlich voraus, dass wir auf Lebensmittel aus Regionen zurückgreifen, die teilweise unter Wasserknappheit, Landnutzungsdruck oder geringeren Umweltstandards produzieren. Das widerspricht dem viel zitierten Wunsch nach Regionalität.
Auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hat dazu klar Position bezogen: „Fleischpreise macht nicht der Minister, sondern der Markt“, so Rainer nach Amtsantritt im Frühjahr diesen Jahres. Damit setzt er ein wichtiges Signal: Die Politik will Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln nicht weiter antreiben.
Und die Klimawirkung?
Die Produktion von Lebensmitteln ist nicht ohne den Ausstoß von Klimagasen möglich. Jedoch unterscheiden sich die Emissionen erheblich von denen, die bei der Verbrennung fossiler Energieträger freigesetzt werden. Kohl, Öl und Gas binden das CO2 unter der Erdoberfläche. Durch Förderung und Verbrennung kommt dieses CO2 in die Atmosphäre und reichert sich dort an. Das CO2, das in der Landwirtschaft freigesetzt wird, stammt zum überwiegenden Teil aus einem biogenen Kreislauf: Der Pflanzenaufwuchs bindet CO2 aus der Luft, dass dann - z.B. bei der Verdauung - durch die Tiere oder Menschen wieder freigesetzt wird. Nicht umsonst fällt der Beginn der Temperatursteigerungen in der Atmosphäre mit der Nutzung fossiler Energieträger in der Industrialisierung und nicht mit dem Beginn der Tierhaltung zusammen.
Klar ist aber auch, dass die Landwirtschaft ihren Teil zur Reduktion von Emissionen beitragen muss. Die Tierhaltung in Deutschland ist dabei im weltweiten Vergleich äußerst klimaeffizient. Um noch besser zu werden, wird mit Hochdruck an Lösungen geforscht, um den Klimagasausstoß weiter zu verringern. Dazu zählt z.B. eine Beigabe natürlicher Futterzusatzstoffe, die den Methanausstoß verringern oder die Anreicherung der Wirtschaftsdünger wie z.B. der Gülle.